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<title>Sebastiano Venier</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Sebastiano Venier</span></h1>
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<p><b>Sebastiano Venier</b> (* um 1496; † <a href="3._M%C3%A4rz" title="3. März">3. März</a> <a href="1578" title="1578">1578</a> in <a href="Venedig" title="Venedig">Venedig</a>) war, folgt man der Zählweise der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der <a href="Republik_Venedig" title="Republik Venedig">Republik Venedig</a>, ihr 86. <a href="Doge_von_Venedig" title="Doge von Venedig">Doge</a>. Seine kurze Regierungszeit von seiner Wahl zum Dogen am 11. Juni 1577 bis zu seinem Tod umfasste nur wenig mehr als acht Monate.
</p><p>Obwohl Angehöriger einer patrizischen Familie, zögerte er bis etwa 1544, eine Ämterlaufbahn einzuschlagen. Bis dahin war er überwiegend mit juristischen Tätigkeiten befasst, mehrte aber auch das Familienvermögen, etwa durch die Beteiligung am Handel mit dem ägyptischen <a href="Alexandria" title="Alexandria">Alexandria</a>.
</p><p>1548 wurde er zum Duca di Candia gewählt, womit er den höchsten Posten auf der venezianischen Insel <a href="Kreta" title="Kreta">Kreta</a> bekleidete, er war aber auch immer wieder für das oberitalienische Festland Venedigs, die <a href="Terraferma" title="Terraferma">Terraferma</a> zuständig. Neben weiteren auswärtigen Tätigkeiten, wie etwa der eines <i>Capitano</i> von <a href="Brescia" title="Brescia">Brescia</a>, wurde er in eine Reihe von innervenezianischen Positionen gewählt, in denen seine weitreichenden Rechtskenntnisse zum Tragen kamen. Dabei saß er in den wichtigsten Gremien, wie dem <a href="Rat_der_Zehn" title="Rat der Zehn">Rat der Zehn</a>. Es folgten Führungspositionen im <a href="Friaul" title="Friaul">Friaul</a>, in <a href="Karnien" title="Karnien">Karnien</a>, ebenso wie in <a href="Verona" title="Verona">Verona</a>, aber auch auf <a href="Korfu" title="Korfu">Korfu</a> oder <a href="Zypern" title="Zypern">Zypern</a>.
</p><p>Nach dem Sieg der Flotte der <a href="Heilige_Liga_(1571)" title="Heilige Liga (1571)">Heiligen Liga</a> über diejenige der <a href="Osmanisches_Reich" title="Osmanisches Reich">Osmanen</a> in der <a href="Seeschlacht_von_Lepanto" title="Seeschlacht von Lepanto">Seeschlacht von Lepanto</a> am 7. Oktober 1571 wurde er als Held verehrt. So wurde er, trotz seines hohen Alters und schlechter Gesundheit, einstimmig zum Dogen gewählt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Familie">Familie</h2></div>
<p>Die <a href="Venier" title="Venier">Venier</a> stellten mit <a href="Antonio_Venier" title="Antonio Venier">Antonio Venier</a> (1382–1400), <a href="Francesco_Venier" title="Francesco Venier">Francesco Venier</a> (1554–1556) und Sebastiano Venier drei Dogen, sowie 18 <a href="Prokurator" title="Prokurator">Prokuratoren</a> und verschiedene Admiräle.
</p><p>Sebastiano Venier war der jüngere von zwei Söhnen des Moisè Venier und der Elena Donà. Er wuchs in der Gemeinde <a href="Santa_Maria_Formosa" title="Santa Maria Formosa">Santa Maria Formosa</a> auf. Dabei verfügte er zusammen mit seinem Bruder Leonardo entsprechend der Selbstdeklaration, die für die finanzielle Beteiligung an den Staatsausgaben üblich war, nur über ein bescheidenes Vermögen von 170 <a href="Dukat_(M%C3%BCnze)" title="Dukat (Münze)">Dukaten</a> im Jahr 1537. Dass die Brüder vermögend waren, geht daraus hervor, dass sie der Republik Venedig am 13. Mai 1528, dann wieder wenige Tage später und abermals am 6. August 1529 hohe Geldbeträge leihen konnten, als sie mit der <a href="Liga_von_Cognac" class="mw-redirect" title="Liga von Cognac">Liga von Cognac</a> im Krieg lag.
</p><p>Venier hatte zwei voreheliche Söhne. Filippo wurde Priester, Marco Funktionär an der Dogenkanzlei. Als sein einziger Bruder Leonardo im Jahr 1543 ohne Kinder gestorben war, entschloss er sich, zu heiraten. Für die Ehe wurde <a href="Cecilia_Contarini" title="Cecilia Contarini">Cecilia Contarini</a> di Natalino erwählt, die Witwe Luca Vendramins, die Venier eine Tochter schenkte, mit der dieser Familienzweig ausstarb.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ämterlaufbahn"><span id=".C3.84mterlaufbahn"></span>Ämterlaufbahn</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Anwalt_und_Ankläger_(1520–1544)"><span id="Anwalt_und_Ankl.C3.A4ger_.281520.E2.80.931544.29"></span>Anwalt und Ankläger (1520–1544)</h4></div>
<p>Venier zeigte in seiner Jugend früh Interesse an der <a href="Rechtswissenschaft" title="Rechtswissenschaft">Rechtswissenschaft</a> und galt, ohne jemals einen akademischen Grad erworben zu haben, als hervorragender Jurist. Am 4. Dezember 1517 gelangte er durch das Losverfahren der <a href="Balla_d%E2%80%99oro" title="Balla d’oro">Balla d’oro</a> nicht erst mit 25 in den Großen Rat, wie üblich, sondern bereits im Alter von 21 Jahren.
</p><p>Er galt als mit hoher Auffassungsgabe ausgestattet, war redegewandt und kultiviert, doch zeichnete ihn auch Härte und Kompromisslosigkeit aus. Er übte, ohne den Doktortitel angestrebt zu haben, den Anwaltsberuf aus und erwies sich als Jurist höchsten Könnens.
</p><p>Zunächst jedoch begann seine politische Laufbahn holprig. So scheiterte am 8. März 1520 seine Wahl zum <i>Savio agli Ordini</i>, einer typischen Erstposition im Rahmen des üblichen <a href="Cursus_honorum" title="Cursus honorum">Cursus honorum</a>. Doch am 8. Juli 1520 wurde er <i>Avvocato grande</i>, er wurde also Anwalt derjenigen, denen von Staats wegen Klagen drohten. In den nächsten Jahren war er in dieser Sphäre zwischen <i>Avogaria</i>, den verschiedenen Gremien und der <i>Quarantie</i> tätig, dem obersten Gerichtshof. Daneben übte er seine Rechtstätigkeit auch in privaten Geschäften aus, etwa zur Beförderung der Handelsgeschäfte mit <a href="Alexandria" title="Alexandria">Alexandria</a>.
</p><p>Am 15. Januar 1530 wurde er zum <i>Avvocato fiscale</i> gewählt. Er verteidigte verschiedene Patrizier, aber er trat auch als Ankläger auf. So verteidigte er am 8. November 1530 die Prokuratoren des Ospedale di S. Lorenzo gegen die Forderungen des <a href="Gerolamo_Querini" title="Gerolamo Querini">Girolamo Querini</a>, der das Recht besaß, den <a href="Prior" title="Prior">Prior</a> zu nominieren. Am 7. Februar 1531 trat er zugunsten der Söhne des Lorenzo Pisani dal Banco auf, denen vorgeworfen wurde, sie hätten die <a href="Etsch" title="Etsch">Etschsperren</a> geöffnet, wodurch im <a href="Padua" title="Padua">Paduaner</a> Gebiet etwa 45.000 <i>campi</i> Ackerland überschwemmt worden waren. Doch am 22. Februar lehnte er seine Wiederwahl in das Amt ab. Als <i>Avvocato dei prigionieri</i> verteidigte er am 7. Januar 1533 die Mannschaften der <i>Muda</i>, des Schiffskonvois, nach <a href="Flandern" title="Flandern">Flandern</a>, denen vorgeworfen wurde, nicht ihren Pflichten nachgekommen zu sein.
</p><p>Nach seiner Wahl vom 28. Mai 1537 zum <i>Avvocato grande</i> übte er dieses Amt sieben Jahre lang aus. Dafür verzichtete er sogar auf das höchst angesehene Amt eines <a href="Bail%C3%B2" title="Bailò">Bailò</a> von <a href="Konstantinopel" title="Konstantinopel">Konstantinopel</a>, in das er am 8. Mai 1541 gewählt worden war. Am 14. Mai 1544 wurde er zum <i>Avogador di Comun</i>, einer Art Chefankläger der Kommune. Nach diesem Karrieresprung heiratete er, womit sich für ihn neue Möglichkeiten eröffneten, allerdings weniger im Bereich der Rechtsgeschäfte, als vielmehr auf dem Feld der Politik.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Politischer_Aufstieg_(ab_1544),_Terraferma,_Kreta_(1548–1550)"><span id="Politischer_Aufstieg_.28ab_1544.29.2C_Terraferma.2C_Kreta_.281548.E2.80.931550.29"></span>Politischer Aufstieg (ab 1544), Terraferma, Kreta (1548–1550)</h4></div>
<p>So war er vom 6. Oktober bis zum 31. Dezember 1544 als <i>Savio di Terraferma</i> für das oberitalienische Festland zuständig, das sich unter venezianischer Kontrolle befand, die <a href="Terraferma" title="Terraferma">Terraferma</a>. Am 18. Oktober desselben Jahres wurde er ins <i>Collegio della milizia da Mar</i> gewählt, am 23. April 1547 nochmals zum <i>Avogador di Comun</i>.
</p>
<p>Schließlich wurde er am 11. März 1548 zum <i>Duca di Candia</i> gewählt, also auf den höchsten Posten der venezianischen Kolonie <a href="Kreta" title="Kreta">Kreta</a>. Dort blieb er bis in den Herbst 1550. Auf der Insel war er mit einer Reihe von Streitigkeiten unter den venezianischen Siedlern, den <i>feudati</i>, befasst. Vergebens versuchte er den Weinanbau einzudämmen, der die Weizenversorgung der Insel gefährdete, und damit den Venedigs. Seinem Sohn Filippo verschaffte er ein <a href="Vikariat_(katholisch)" title="Vikariat (katholisch)">Vikariat</a> auf der Insel.
</p><p>Nach der Rückkehr von Kreta nach Venedig wurde Sebastiano Venier im April 1551 erneut zum <i>Savio di Terraferma</i> gewählt (bis zum 2. Juni 1551), schloss daran wieder den <i>Avogador di Comun</i> an. Am 19. März 1552 lehnte er die Wahl zum <i>Provveditore generale</i> auf <a href="Zypern" title="Zypern">Zypern</a> ab, um stattdessen in der zweiten Jahreshälfte als <i>Savio di Terraferma</i> zu fungieren.
</p><p>Nun schloss sich die Wahl in eine Reihe von Ämtern an, wie das eines <i>Savio alle Acque</i> (12. März 1553), dann, am 25. Mai, war er einer der Inquisitoren des verstorbenen Dogen <a href="Francesco_Don%C3%A0" title="Francesco Donà">Francesco Donà</a>, womit er sich mit möglichen Verfehlungen des Toten auseinandersetzen musste. Am 11. Juni sollte er den fünf <i>Correttori delle Leggi</i> angehören, womit er wieder stärker in seine ursprüngliche Tätigkeitssphäre zurückkehrte. Am 3. September 1553 wurde er zum Zensor gewählt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Rat_der_Zehn_(1554),_Senat,_Brescia_(1561–1562)"><span id="Rat_der_Zehn_.281554.29.2C_Senat.2C_Brescia_.281561.E2.80.931562.29"></span>Rat der Zehn (1554), Senat, Brescia (1561–1562)</h4></div>
<p>Am 1. Januar 1554 trat er in den <a href="Rat_der_Zehn" title="Rat der Zehn">Rat der Zehn</a> ein, womit er im inneren Kreis der Macht angekommen war. In schneller Folge wurde er nun in neue Ämter gewählt: Am 21. Juni erfolgte die Wahl zum <i>Provveditore sopra il fiume Piave</i> (er war also für den <a href="Piave" title="Piave">Piave</a> zuständig, einen wichtigen oberitalienischen Fluss, und dessen Auswirkungen auf die <a href="Lagune_von_Venedig" title="Lagune von Venedig">Lagune von Venedig</a>); am 24. Juni erneut zum <i>Correttore delle Leggi</i>, am 5. Juli zum <i>Savio alle Acque</i>, <i>Savio di Terraferma</i> für das erste Halbjahr 1555, ab dem 13. Januar wieder zum Zensor, am 16. Juni 1556 zum <i>Giudice sulle valli del Dogado</i>, <i>Sopraprovveditore alla Sanità</i> am 2. Oktober, dann wieder erfolgte die Wahl zum <i>Savio di Terraferma</i> im ersten Halbjahr 1557. In der zweiten Jahreshälfte 1557 trug er nur den Titel eines Senators, ebenso im Jahr 1558.
</p><p>Am 6. Oktober 1559 schwenkte er wieder stärker in den militärischen Bereich, nämlich als <i>Provveditore sopra le Fortezze</i>, womit er für die Festungswerke zuständig wurde. Am 30. November 1559 und am 30. März 1560 abermals zum <i>Savio di Terraferma</i> gewählt, wurde er bis Juni <i>Savio del Consiglio</i>. Ab dem 1. Mai war er zugleich Angehöriger des <a href="Rat_der_Zehn" title="Rat der Zehn">Rates der Zehn</a>, von Oktober bis Dezember wieder <i>Savio di Terraferma</i>. Zum <i>Savio del Consiglio</i> wurde er am 31. Dezember 1560 gewählt, doch trat er hiervon bereits am 4. Januar zurück, um den Posten eines <i>Capitano</i> von <a href="Brescia" title="Brescia">Brescia</a> zu übernehmen. Dort beschäftigten ihn vor allem die jahrelangen Streitigkeiten zwischen Brescia und <a href="Cremona" title="Cremona">Cremona</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Friaul_(1563),_Karnien_(1565,_1568),_Verona_(1566–1567)"><span id="Friaul_.281563.29.2C_Karnien_.281565.2C_1568.29.2C_Verona_.281566.E2.80.931567.29"></span>Friaul (1563), Karnien (1565, 1568), Verona (1566–1567)</h4></div>
<p>Nach seiner Rückkehr wurde er am 1. Oktober 1562 zum <i>Savio del Consiglio</i> gewählt, am 8. März 1563 ging er als <i>Commissario</i> ins <a href="Friaul" title="Friaul">Friaul</a>. Am 3. September 1564 wurde er vom Rat der Zehn zum <i>Provveditore alle Beccarie</i> gewählt, war also für die Schlachter und deren Verkaufsbänke in Venedig zuständig, wurde am 18. November wieder zum <i>Savio del Consiglio</i> für das erste Halbjahr 1565 gewählt. Am 8. April gehörte er abermals dem Rat der Zehn an, am 9. Juli sollte er wieder <i>Conservatore delle Leggi</i> werden.
</p><p>Danach ging er erneut in die Kolonien, denn am 4. Oktober wurde er zum <i>Provveditore ai confini della Carnia</i> (<a href="Karnien" title="Karnien">Karnien</a>) erhoben, war also für die Grenzen im Nordosten zuständig, und schließlich wurde er am 23. Juni 1566 Podestà von <a href="Verona" title="Verona">Verona</a>. Dort blieb er bis Oktober 1567, wobei er, wie in Brescia, versuchte, die Übergriffe der dortigen Patrizier einzudämmen.
</p><p>Bereits am 11. Dezember wurde er erneut zum <i>Commissario ai confini</i> gewählt, gemeinsam mit <a href="Agostino_Barbarigo_(Admiral)" title="Agostino Barbarigo (Admiral)">Agostino Barbarigo</a> und Andrea Badoer. Die dortigen Grenzverhandlungen mit kaiserlichen Delegierten zogen sich hin, und so akzeptierte Venier die schon beinahe gewohnte Wahl zum <i>Savio di Terraferma</i> vom 1. April bis zum 14. Juni 1568.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Korfu_(1568–1569),_Testament_(1568),_Zypern_(1569–1570)"><span id="Korfu_.281568.E2.80.931569.29.2C_Testament_.281568.29.2C_Zypern_.281569.E2.80.931570.29"></span>Korfu (1568–1569), Testament (1568), Zypern (1569–1570)</h4></div>
<p>An diesem Tag wurde er zum <i>Provveditore generale</i> von <a href="Korfu" title="Korfu">Korfu</a> gewählt, denn dort fürchtete man osmanische Umtriebe. Bevor Venier aufbrach, machte er sein <a href="Testament" title="Testament">Testament</a>. Darin zeigt sich sein erhebliches Vermögen, vor allem an Immobilien, hinzu kamen umfangreiche Einlagen in der <a href="Zecca_(Venedig)" title="Zecca (Venedig)">Zecca</a>. Seine Söhne Filippo und Marco ermahnte er, sich mit dem zufriedenzugeben, was sie hätten, denn das sei mehr, als wenn sie legitime Kinder gewesen wären. Seine Frau Cecilia stattete er aus, doch Universalerbin wurde seine Tochter Elena. Diese war in erster Ehe mit Federico Corner verheiratet gewesen, nunmehr mit Francesco Morosini.
</p><p>Auf Korfu, wo Venier weniger als ein Jahr blieb, sammelte er alle Nachrichten über die Vorgehensweise der Osmanen auf dem griechischen Festland, denen er keinen Anlass für einen Angriff zu liefern versuchte. Auch ließ er die Befestigung der Insel vorantreiben.
</p><p>Von April bis September 1569 war er erneut <i>Savio del Consiglio</i>, dann wurde er wieder ins <i>Collegio della milizia da Mar</i> gewählt (22. August 1569). Am 18. September saß er wieder einmal im Rat der Zehn. Kaum einen Monat später, am 16. Oktober, wurde er als Statthalter nach <a href="Zypern" title="Zypern">Zypern</a> entsandt, wo er sich allerdings nur sechs Monate aufhielt. Die Zeit reichte gerade aus, um die Festungen der exponierten Insel zu erfassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Korfu_(1570),_Admiral,_Seeschlacht_von_Lepanto_(1571)"><span id="Korfu_.281570.29.2C_Admiral.2C_Seeschlacht_von_Lepanto_.281571.29"></span>Korfu (1570), Admiral, Seeschlacht von Lepanto (1571)</h4></div>
<p>Am 11. Februar 1570 wurde er im Amt des <i>Provveditore generale</i> erneut nach Korfu geschickt, vor allem, um eine leichte <a href="Kavallerie" title="Kavallerie">Kavallerie</a> zu schaffen. Damit wurde er für den Senat der wichtigste Amtsinhaber für das Verteidigungssystem der östlichen Kolonien. Dafür wurde er zum Dank im selben Jahr zum <i>Procuratore de ultra</i> gewählt, eine hoch angesehene <a href="Sinekure" title="Sinekure">Sinekure</a>, und am 20. Dezember 1570 im Alter von bereits 74 Jahren zum Admiral (<i>capitano generale da mar</i>). Sein Vorgänger Girolamo Zane galt als unfähig, mit der extrem angespannten Situation angemessen umzugehen. Er wurde abberufen und unter Anklage gestellt. Venier hatte allerdings auch noch nie ein Schiff, geschweige denn eine Flotte kommandiert, doch galt er als gerecht, hart und durchsetzungsfähig, mutig und integer.
</p><p>Als Flottenkommandant der Venezianer war Veniers Verhältnis zu <a href="Juan_de_Austria" title="Juan de Austria">Juan de Austria</a>, dem Befehlshaber der Spanier, von Spannungen und gegenseitiger Abneigung geprägt. Der Spanier lehnte es ab, die vereinten Flotten zur Hilfe nach Zypern zu entsenden, um die venezianische Kolonie, die <a href="Marcantonio_Bragadin" title="Marcantonio Bragadin">Marcantonio Bragadin</a> in <a href="Famagusta" title="Famagusta">Famagusta</a> verteidigte, zu retten. Stattdessen wählte er das sizilianische <a href="Messina" title="Messina">Messina</a> als Hafen für die Flotte. Erst am 16. September 1571, während die Venezianer in Famagusta untergingen, brachen die 200 <a href="Galeere" title="Galeere">Galeeren</a> mit 30.000 Mann an Bord auf. Sechs riesige <a href="Galeasse_(Milit%C3%A4rschiffstyp)" title="Galeasse (Militärschiffstyp)">Galeassen</a> unter dem Kommando von Francesco Duodo fuhren mit ihnen Anfang Oktober in den <a href="Golf_von_Korinth" title="Golf von Korinth">Golf von Korinth</a>, wo sich die osmanische Flotte gesammelt hatte.
</p><p>Venier nahm neben dem Admiral <a href="Agostino_Barbarigo_(Admiral)" title="Agostino Barbarigo (Admiral)">Agostino Barbarigo</a> am 7. Oktober 1571 an der <a href="Seeschlacht_von_Lepanto" title="Seeschlacht von Lepanto">Seeschlacht von Lepanto</a> teil, in der die <a href="Heilige_Liga_(1571)" title="Heilige Liga (1571)">Heilige Liga</a> unter <a href="Juan_de_Austria" title="Juan de Austria">Juan de Austria</a> die Osmanen besiegte. An der Schlacht nahmen 450 Schiffe und 75.000 Mann teil.
</p><p>In Venedig wurde Venier als <i>Sieger von Lepanto</i> verehrt. Es gelang ihm jedoch nicht, dauerhaft Gewinn aus dem Sieg zu ziehen, da sich die Osmanen in den anschließenden Friedensverhandlungen als geschickter erwiesen. Venier, dem der Schutz der <a href="Adriatisches_Meer" title="Adriatisches Meer">Adria</a> aufgetragen wurde, wurde durch Jacopo Foscarini ersetzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Weitere_Ämter_in_Venedig_(ab_1573)"><span id="Weitere_.C3.84mter_in_Venedig_.28ab_1573.29"></span>Weitere Ämter in Venedig (ab 1573)</h4></div>
<p>Venier, der es vorgezogen hätte, die osmanischen Festungen bis hinunter nach <a href="Albanien" title="Albanien">Albanien</a> zu zerstören, wurde zurückbeordert, um im ersten Halbjahr 1573 <i>Savio del Consiglio</i> zu werden. Am 4. Oktober saß er wieder im Rat der Zehn. Wenige Tage später wurde er zum <i>Provveditore all’Arsenale</i> bis Ende September 1574 gewählt. Er war somit für das <a href="Arsenal_(Venedig)" title="Arsenal (Venedig)">Arsenal</a> in Venedig zuständig.
</p><p>In den folgenden Jahren saß er beinahe ununterbrochen im Rat der Zehn und seiner <i>Zonta</i>. Auch war er <i>Savio del Consiglio</i> von April bis September 1574 und im Jahr 1575, dann wieder in der ersten Jahreshälfte 1577; erneut am 20. Dezember 1574 wurde er <i>Provveditore all’Arsenale</i>, abermals am 14. April 1576.
</p><p>Schließlich wurde er wieder mit Rechtsfragen befasst, nämlich am 22. September 1576 als <i>Provveditore sopra il Criminal</i>, und am 7. Juni 1577 als <i>Correttore della Promissione ducale</i>. Damit gehörte er zu den Patriziern, die den Amtseid des zukünftigen Dogen überarbeiten sollten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Das_Dogenamt">Das Dogenamt</h3></div>
<p>Sebastiano Venier wurde im Alter von 81 Jahren am 11. Juni 1577 einstimmig zum Dogen gewählt. Das Amt bereitete ihm körperliche Mühsal, er war schon ein wenig schwerhörig, litt unter Ischiasschmerzen, und sein schwieriges und streitbares Temperament blieb ihm auch als Doge erhalten. 1577 wurde ihm als besondere Auszeichnung die <a href="Goldene_Rose" title="Goldene Rose">goldene Rose</a> durch Papst <a href="Gregor_XIII." title="Gregor XIII.">Gregor XIII.</a> verliehen.
</p><p>Im <a href="Dogenpalast" title="Dogenpalast">Dogenpalast</a> brach nach dem Brand von 1574 unter Venier erneut 1578 ein Brand in den oberen Stockwerken aus, der ein weiteres Mal verheerende Verwüstungen anrichtete. Viele Schäden ließen sich nicht reparieren, so dass man an einen Neubau dachte, für den <a href="Andrea_Palladio" title="Andrea Palladio">Andrea Palladio</a> einen Entwurf anfertigte. Die Anhänger dieses Plans konnten sich jedoch gegen die konservative Fraktion nicht durchsetzen, und der Bau wurde unter der Leitung von <a href="Antonio_da_Ponte" title="Antonio da Ponte">Antonio da Ponte</a> in seiner alten Form wiederhergestellt.
</p><p>Für die Ausmalung der riesigen Sala del Maggior Consiglio, des Saales, in dem sich der Große Rat versammelte, der <i>Sala dello Scrutino</i>, der <i>Sala delle quattro porte</i> und der <i>Sala del Collegio</i> entwarf eine eigens gebildete Kommission das Bildprogramm. Decken und Wände wurden mit Gemälden und Stuck ausgestattet, so dass eine gewaltige religiös-politische Inszenierung der Republik Venedig entstand. Als Künstler waren unter anderem <a href="Jacopo_Tintoretto" title="Jacopo Tintoretto">Jacopo Tintoretto</a>, <a href="Jacopo_Palma_(der_Junge)" class="mw-redirect" title="Jacopo Palma (der Junge)">Palma der Jüngere</a>, <a href="Paolo_Veronese" title="Paolo Veronese">Paolo Veronese</a> und die Brüder <a href="Taddeo_Zuccari" title="Taddeo Zuccari">Taddeo</a> und <a href="Federico_Zuccari" title="Federico Zuccari">Federico Zuccari</a> beteiligt. Ein Glanzstück der Neuausstattung ist das riesige Paradiesbild Tintorettos an der Stirnseite der <i>Sala del Maggior Consiglio</i>. Auch die <a href="Dogenportr%C3%A4ts_im_Dogenpalast" title="Dogenporträts im Dogenpalast">dortigen Dogenporträts</a> wurden erneuert.
</p><p>Sebastiano Venier starb am 3. März 1578. Er wurde in der Kirche S. Maria degli Angeli auf <a href="Murano" title="Murano">Murano</a> in der Familiengruft beigesetzt, wie er es im Testament von 1568 vorgesehen hatte.
</p><p>Erst 1907 wurden seine sterblichen Überreste in die Kirche <a href="San_Zanipolo" title="San Zanipolo">San Zanipolo</a> verbracht, wo die meisten Dogen liegen. Die Bronzestatue des Dogen auf dem Grabmal stammt von <a href="Antonio_Dal_Zotto" title="Antonio Dal Zotto">Antonio Dal Zotto</a> († 1918).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Bilder">Bilder</h3></div>
<ul><li><a href="Jacopo_Tintoretto" title="Jacopo Tintoretto">Jacopo Tintoretto</a>: Sebastiano Venier in Rüstung und Dogenmantel vor dem Panorama der <a href="Seeschlacht_von_Lepanto" title="Seeschlacht von Lepanto">Seeschlacht von Lepanto</a>, <a href="Kunsthistorisches_Museum_Wien" title="Kunsthistorisches Museum Wien">Kunsthistorisches Museum Wien</a></li>
<li>Unbekannter venezianischer Maler: Porträt des Dogen, <a href="Schloss_Ambras" title="Schloss Ambras">Schloss Ambras</a>, Innsbruck</li>
<li>Büste des Sebastiano Venier, Sieger von Lepanto. Marmorbüste, <a href="Dogenpalast" title="Dogenpalast">Dogenpalast</a></li>
<li>Porträt des Sebastiano Venier im <a href="Palazzo_Contarini_Polignac" title="Palazzo Contarini Polignac">Palazzo Contarini Polignac</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Giuseppe_Gullino" title="Giuseppe Gullino">Giuseppe Gullino</a>: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.treccani.it/enciclopedia/sebastiano-venier_(Dizionario-Biografico)">Venier, Sebastiano</a></i>, in: <a href="Dizionario_Biografico_degli_Italiani" title="Dizionario Biografico degli Italiani">Dizionario Biografico degli Italiani</a> 98 (2020).</li>
<li><a href="Federico_Seneca" title="Federico Seneca">Federico Seneca</a>: <i>Il mancato soccorso di Nicolò Donà a Famagosta nel 1571</i>, in: <a href="R%C3%B6mische_Historische_Mitteilungen" title="Römische Historische Mitteilungen">Römische Historische Mitteilungen</a> 31 (1989) 211–226, hier: S. 220.</li>
<li><a href="Andrea_Da_Mosto" title="Andrea Da Mosto">Andrea Da Mosto</a>: <i>I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata</i>, Florenz 1977, S. 287–297.</li>
<li>Andrea Da Mosto: <i>I dogi di Venezia con particolare riguardo alle loro tombe</i>, Ferdinando Ongania, Venedig [1939], S. 187–193. (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://asa.archiviostudiadriatici.it/islandora/object/libria:114575/datastream/PDF/content/libria_114575.pdf">Digitalisat</a>, PDF)</li>
<li><a href="Wolfgang_Wolters" title="Wolfgang Wolters">Wolfgang Wolters</a>: <i>Der Programmentwurf zur Dekoration des Dogenpalastes nach dem Brand vom 20. Dezember 1577</i>, in: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz 12 (1966) 271–318.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Sebastiano_Venier?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Sebastiano Venier</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ptpvenezia.edu.it/pagine/trasporti-e-logistica---conduzione-del-mezzo"><i>Istituto Tecnico Trasporti e Logistica „Sebastiano Venier“</i></a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Nurbanu" title="Nurbanu">Nurbanu</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gallerieaccademia.it/allegoria-della-battaglia-di-lepanto"><i>Allegoria della battaglia di Lepanto. Paolo Caliari detto Paolo Veronese</i></a>, Gallerie dell’Accademia.</span>
</li>
</ol>
<table class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1" style="border-collapse:collapse; border-style:solid; margin-top: 1em; text-align:center; width:100%;"><tbody><tr style="vertical-align:bottom;"><th style="width:35%;">Vorgänger</th><th style="width:30%;">Amt</th><th style="width:35%;">Nachfolger</th></tr><tr style="vertical-align:top;"><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Alvise_Mocenigo_I." title="Alvise Mocenigo I.">Alvise Mocenigo I.</a></td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><span style="font-weight:bold;"><a href="Doge_von_Venedig" title="Doge von Venedig">Doge von Venedig</a></span> <br><a href="1577" title="1577">1577</a>–<a href="1578" title="1578">1578</a></td><td class="rahmenfarbe1" style="border-style:solid none; line-leight:120%;"><a href="Nicol%C3%B2_da_Ponte" title="Nicolò da Ponte">Nicolò da Ponte</a></td></tr></tbody></table>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable normdaten-typ-p" style="border-style: solid; border-width: 1px; clear: left; margin-bottom:1em; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="normdaten">
<div style="display: table-cell; vertical-align: middle; width: 100%;">
<div>
Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/101343238X">101343238X</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/nr96034829">nr96034829</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/61445787/">61445787</a></span> | </div>
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